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Faculty of Philosophy

Wir trauern um Jan Assmann

Die Philosophische Fakultät und insbesondere das Institut für Ägyptologie der Universität Heidelberg trauern um Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jan Assmann, der am 19. Februar 2024 im Alter von 85 Jahren verstorben ist. Mit Jan Assmann verliert die Ruperto Carola einen Gelehrten von außerordentlicher internationaler Strahlkraft und Bedeutung. 

Jan Assmann, der sich selbst mitunter halb ernst, halb scherzend als „Heidelberger Urgestein“ bezeichnete, lehrte und forschte von 1976 bis zu seiner Emeritierung 2003 als Professor für Ägyptologie am Institut für Ägyptologie der Universität Heidelberg. In dieser Funktion setzte er bahnbrechende Impulse für seine Disziplin. Über die philologische Arbeit hinaus publizierte er in einer Vielzahl von Artikeln und Monographien umfassende kultur- und religionsgeschichtliche Interpretationen zu für das alte Ägypten so zentralen Themen wie Tod und Jenseits oder den Vorstellungen von einer kosmischen und sozialen Gerechtigkeitsordnung. Schon diese innovativen Entwürfe wurden bald auch in Nachbardisziplinen rezipiert und fruchtbar gemacht. Eine überwältigende Aufmerksamkeit in sowohl wissenschaftlichen wie öffentlichen Diskursen erlangte jedoch Jan Assmanns Forschung zur Theorie des kulturellen Gedächtnisses. Sie beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Erinnerungsformen und erklärt, wie die überlieferten Zeugnisse der Vergangenheit über Aneignungsverfahren – etwa Ritualisierung, Kanonisierung oder Kommentierung – imstande sind, kollektive gesellschaftliche Identität zu stiften.

Was Jan Assmann an stupenden Fallstudien aus dem Bereich des Alten Orients illustrierte, wurde vielfach im interdisziplinären akademischen Umfeld aufgegriffen und diskutiert, fand darüber hinaus aber auch eine breite Aufnahme in die Diskussion um tagesaktuelle Themen in den Medien und in der Politik. Diese nachhaltige Wirkung der Gedanken und des Werks von Jan Assmann zeigen eindrücklich auf, dass auch Vertreter eines vermeintlichen Orchideenfachs einen weithin spürbaren kulturwissenschaftlichen Paradigmenwechsel veranlassen können. Dass Jan Assmann - in jüngerer Zeit häufig zusammen mit seiner Frau Aleida Assmann - hochrangige Preise und Ehrungen wie etwa der Balzan Preis 2017 oder der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2018 verliehen wurden, ist ein sichtbarer Ausdruck der außerordentlichen Anerkennung dieses beeindruckenden Lebenswerks in Wissenschaft und Öffentlichkeit.

Jan Assmann war nicht nur ein überragender Forscher mit einem enorm reichhaltigen und innovativen Œuvre, er war auch ein ebenso umgänglicher wie inspirierender Gesprächspartner. Wie kaum ein anderer vermochte er es, hochkarätige interdisziplinär besetzte Forschergruppen zusammenzuführen und mit seinen ebenso beharrlich wie liebenswürdig vorgetragenen Nachfragen zu Vertiefungen, Präzisierungen oder gar in intellektuelles Neuland zu führen. Jan Assmann war ohne Zweifel ein bewundernswerter Kommunikator und denkbar anregender Innovationskatalysator für all diejenigen, die das Glück hatten, mit ihm reden und diskutieren zu dürfen. Dass diese Stimme jetzt für immer schweigen wird, ist ein großer Verlust für alle, die ihn auf seinem Weg ein Stück begleiten durften.

Die Ruperto Carola wird Jan Assmann ein ehrendes Andenken bewahren.

Für die Kolleginnen und Kollegen der Philosophischen Fakultät
Prof. Dr. Gregor Ahn

Nachrufe auf der Seite des Ägyptologischen Instituts

Porträt Jan Assmann

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